
Wie lassen sich Kunstwerke wiederherstellen, die fast zwei Jahrtausende lang in tausende Fragmente zerfallen waren? Das europäische Forschungsprojekt RePAIR – Reconstructing the Past rekonstruiert als Schulterschluss von Robotik, KI und Computer Vision antike Fresken aus Pompeji, indem eine KI-gestützte Methode die Bruchstücke digital analysiert, passende Teile identifiziert und ein feinfühliger Zweiarm-Roboter sie wieder zusammensetzt. Forschende der Universität Bonn und des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz entwickelten hierfür Planungsmethoden für die bimanuale Roboterbewegung, die es dem System ermöglichen, die extrem fragilen Fragmente sicher zu greifen und millimetergenau an der von der KI berechneten Position zu platzieren.
Was im Labor begann, wurde nun weltweit erstmals in der archäologischen Praxis erprobt: In Pompeji konnten bedeutende Freskenensembles physisch rekonstruiert werden – ein Meilenstein für die Restaurierungstechnik. „RePAIR hat eindrucksvoll gezeigt, wie Robotik, KI und Archäologie zusammenwirken können. Mit unseren Arbeiten zur Systemintegration und zur Bewegungsplanung konnten wir Lamarr-Forschung in ein Feld bringen, in dem intelligente robotische Systeme künftig einen wichtigen Beitrag zum Erhalt kulturellen Erbes leisten können“, erklärt Prof. Dr. Maren Bennewitz.

Die wissenschaftliche Bedeutung reicht weit über Pompeji hinaus. Weltweit lagern in Museen und Depots Millionen Fragmente, deren manuelle Rekonstruktion oft als unlösbar gilt. RePAIR zeigt, dass moderne Technologie diese Grenzen überwinden kann: Die Verbindung aus algorithmischer Mustererkennung und robotischer Präzision erschließt Kulturgüter, die bisher als nicht restaurierbar galten. Damit setzt das Projekt einen neuen Standard für den Einsatz von KI und Robotik im kulturellen Erbe – und eröffnet Wege, verlorene Geschichte wieder sichtbar zu machen.