
Das Team um Prof. Dr. Jürgen Gall, Principal Investigator am Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz und Leiter der Arbeitsgruppe Computer Vision an der Universität Bonn ist mit dem MARVIN-Pokal ausgezeichnet worden. Prämiert wurde das Projekt „RiverMamba“, das Ansätze zur effizienten Modellierung und Verarbeitung großer, heterogener Zeitreihendaten entwickelt, mit Anwendung in der Hochwasserprognose. „Die Veranstaltung hat wieder einmal gezeigt, dass die HPC-Infrastruktur und Marvin eine Grundvoraussetzung für exzellente Forschung an der Universität Bonn sind. Der transdisziplinäre Charakter der Veranstaltung hat mir sehr gefallen“, sagt Prof. Dr. Jürgen Gall. Die Auszeichnung würdigt Arbeiten, die das Potenzial moderner KI-Infrastrukturen für skalierbare und zugleich ressourceneffiziente Modelle besonders überzeugend nutzen.
MARVIN: Infrastruktur und Maßstab für skalierbare KI
MARVIN ist die zentrale Hochleistungsrecheninfrastruktur für KI-Forschung an der Universität Bonn. Sie ermögliche skalierbare Experimente, sowie die Entwicklung und Evaluation neuer Modellansätze unter realitätsnahen Bedingungen. Als speziell auf daten- und rechenintensive Verfahren des maschinellen Lernens ausgelegte HPC-Umgebung unterstützt MARVIN insbesondere das Training und die Evaluation großer Modelle sowie die Verarbeitung umfangreicher Datensätze. „Seit zwei Jahren ist Marvin ein Innovationsmotor für unsere Forschung an der Universität Bonn. […] Marvin eröffnet unseren Forscherinnen und Forschern Möglichkeiten, die vor zwei Jahren noch nicht absehbar waren“, sagt Prof. Dr. Maren Bennewitz.
Mit wachsender Modellkomplexität und Datenmenge wird spezialisierte Recheninfrastruktur zum limitierenden Faktor wissenschaftlicher Erkenntnis. Insbesondere beim Training moderner Sequenzmodelle und beim Umgang mit kontinuierlichen Sensordaten stößt konventionelle Infrastruktur schnell an Grenzen. „Marvin steht für unseren Anspruch, Hochleistungsrechnen in der Forschung wirklich nutzbar zu machen. […] Die Projekte […] zeigen eindrucksvoll, welches wissenschaftliche Potenzial in dieser Infrastruktur steckt“, ergänzt Prof. Dr. Petra Mutzel. Der MARVIN-Pokal zeichnet Projekte aus, die diese Infrastruktur besonders innovativ und wirkungsvoll einsetzen.
Effiziente Modellarchitekturen für reale Anwendungen
Das ausgezeichnete Projekt „RiverMamba“ adressiert eine zentrale Herausforderung aktueller KI-Forschung: die effiziente Verarbeitung großer und komplexer Zeitreihendaten. Aufbauend auf neuartigen Modellarchitekturen – insbesondere der Mamba-Klasse – ermöglicht der Ansatz, lange Datenfolgen mit deutlich reduziertem Rechenaufwand zu analysieren, ohne an Leistungsfähigkeit einzubüßen. Im Unterschied zu klassischen Transformer-Architekturen skaliert der Ansatz günstiger mit der Sequenzlänge und eröffnet damit neue Möglichkeiten für datenintensive Anwendungen.
Damit steht RiverMamba exemplarisch für eine aktuelle Verschiebung im Feld: Statt primär auf immer größere Modelle zu setzen, rückt die Entwicklung effizienter, skalierbarer Architekturen in den Fokus, die unter realen Einsatzbedingungen praktikabel sind. Anwendungen wie die Hochwasserprognose profitieren unmittelbar von dieser Entwicklung, da sie kontinuierlich große Datenströme integrieren müssen. Das Projekt wurde bereits im Herbst auf der NeurIPS vorgestellt und verbindet methodische Innovation mit konkreter Anwendungsperspektive. Im Rahmen der Bonner Wissenschaftsnacht 2026 wird RiverMamba zudem im KI-Zelt des Lamarr-Instituts einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.