Bonner Haushaltsroboter verteidigen RoboCup Meistertitel

NimbRo team from the University of Bonn with Prof. Dr. Sven Behnke after winning the RoboCup German Open
Das Team NimbRo der Universität Bonn mit Prof. Dr. Sven Behnke nach der erfolgreichen Titelverteidigung bei den RoboCup German Open © Uni Bonn

Im Rahmen der zweiten German Robotics Conference (GRC), die zentrale Akteur:innen aus Wissenschaft, Politik und Industrie zusammenbrachte, haben die Haushaltsroboter des Bonner Teams NimbRo@Home ihren Meistertitel bei den RoboCup German Open erneut souverän verteidigt – mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz. Der Wettbewerb fand in der @Home-Liga statt, in der Assistenz- und KI-basierte Mehrzweckroboter ihre Fähigkeiten in realitätsnahen Alltagsumgebungen unter Beweis stellen, insbesondere zur Unterstützung assistenzbedürftiger Menschen im täglichen Leben. Der Erfolg unterstreicht die internationale Leistungsfähigkeit der Robotikforschung an der Universität Bonn und dem Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz.

Souveräner Sieg im RoboCup: NimbRo zeigt Leistungsfähigkeit moderner Assistenzrobotik

In mehreren anspruchsvollen Tests mussten sich die Systeme in komplexen, realitätsnahen zuvor unbekannten Szenarien bewähren, wie in einer Wohnung oder einem Restaurant. Die Roboter verstanden komplexe Sprachkommandos, bewegten sich sicher durch unterschiedliche Umgebungen, lieferten Bestellungen aus und übernahmen Aufgaben wie das Entnehmen von Wäsche aus der Waschmaschine.

Die Wettbewerbsaufgaben wurden in diesem Jahr deutlich erweitert und stärker auf reale Anwendungsszenarien ausgerichtet: Die Roboter mussten flexibel auf neue Situationen reagieren, verschiedene Aufgaben kombinieren und insbesondere natürlichsprachliche Anweisungen zuverlässig in konkrete Handlungen übersetzen. Neben einem weiterentwickelten System kam auch ein neuer, leichter Assistenzroboter mit zwei beweglichen Armen und taktiler Sensorik zum Einsatz. Der Roboter verfügt über einen menschenähnlichen Oberkörper mit zwei gelenkigen Armen, die in taktil sensiblen Greifern enden. Er nimmt seine Umgebung über Kameras, Laserscanner und Mikrofone wahr und kann sich sicher auch in beengten Innenräumen bewegen sowie feinmotorische Aufgaben zuverlässig ausführen. Das Team NimbRo setzte sich bereits in der Vorrunde klar an die Spitze und baute seinen Vorsprung im Finale weiter aus. Mit deutlichem Abstand gewann es die Gesamtwertung und verteidigte damit erfolgreich seinen Titel. „Ziel unserer Forschung ist es, dass assistenzbedürftige Menschen länger selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung leben können“, ordnet Prof. Dr. Sven Behnke ein, Leiter des Forschungsgebiets Embodied AI am Lamarr-Institut und Direktor am Informatikinstitut Intelligente Systeme und Robotik der Universität Bonn.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär testet gemeinsam mit Prof. Dr. Maren Bennewitz das Robotersystem des Projekts PRIVATAR auf der German Robotics Conference.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär testet gemeinsam mit Prof. Dr. Maren Bennewitz das Robotersystem des Projekts PRIVATAR auf der German Robotics Conference. © Max Waidhas / Uni Bonn

Robotik für gesellschaftliche Teilhabe: PRIVATAR in der Anwendung

Ein anschauliches Beispiel für anwendungsorientierte Robotikforschung aus dem Lamarr-Umfeld präsentierte Prof. Dr. Maren Bennewitz im Rahmen der German Robotics Conference. Als Local Organizer und Moderatorin stellte sie gemeinsam mit ihrem Team das Projekt „Privatheitsfreundlicher mobiler Avatar für kranke Schulkinder“ (PRIVATAR) vor. „Wir haben eine Roboterdemo unseres Projekts PRIVATAR gegeben, bei der Ministerin Dorothee Bär unseren Roboter steuern konnte“, berichtet Bennewitz. Das Projekt entwickelt benutzerfreundliche Lösungen, mit denen die Privatsphäre von betroffenen Gruppen wie Schulkindern, Lehrkräften und Eltern bei der Nutzung mobiler Roboter geschützt werden kann. Ziel ist es, datensparsame Formen der robotervermittelten Teilhabe kranker Kinder am Schulalltag zu ermöglichen und wissenschaftlich zu evaluieren.

Der Besuch der Bundesforschungsministerin unterstreicht dabei auch die politische Relevanz solcher Anwendungen im Kontext der Hightech-Agenda, in der KI und Robotik als Schlüsseltechnologien gezielt gefördert werden. Für eine breite Öffentlichkeit wird PRIVATAR im Mai bei der Bonner Wissenschaftsnacht zu erleben sein.

Prof. Dr. Stefan Wrobel spricht auf einem Panel der German Robotics Conference
Prof. Dr. Stefan Wrobel spricht auf einem Panel der German Robotics Conference. ©Max Waidhas / Uni Bonn

German Robotics Conference: Wie KI die Robotik verändert

Die Diskussionen auf der German Robotics Conference (GRC) verdeutlichten, wohin sich die Robotik derzeit entwickelt: Zentrale Fortschritte in der Robotik entstehen derzeit vor allem dort, wo Wahrnehmung, Lernen und physisches Handeln in einem System zusammenwirken: Roboter müssen nicht nur Daten verarbeiten, sondern in komplexen, unvorhersehbaren Umgebungen eigenständig Entscheidungen treffen und diese zuverlässig umsetzen. Damit verschiebt sich der Fokus von isolierten KI-Funktionen hin zu integrierten, lernfähigen Gesamtsystemen, die mit realen Anforderungen umgehen können – ein Kernprinzip der Embodied AI.

Die Haushaltsroboter des Bonner Teams NimbRo verteidigen ihren Titel beim RoboCup souverän. Auf der German Robotics Conference zeigen Lamarr-Forschende, wie KI und Robotik zusammenwachsen und neue Anwendungen ermöglichen.Wie wichtig zugleich vernetzte KI-Ökosysteme für diese Entwicklung sind, betonte Lamarr-Co-Direktor Prof. Dr. Stefan Wrobel auf dem Panel „AI Competence Centers & Networks“. Diese Verbindung aus technologischer Exzellenz und struktureller Zusammenarbeit spiegelt sich auch in politischen Initiativen wider: Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie, während Robotik – etwa im Rahmen des KI-Robotikboosters der Hightech-Agenda – gezielt als Innovationsfeld weiterentwickelt wird. Die aktuellen Erfolge und die starke Präsenz des Lamarr-Umfelds zeigen, wie eng Grundlagenforschung, Wettbewerbserfolge und konkrete Anwendungen bereits heute verzahnt sind  und welche Rolle sie für die nächste Generation intelligenter, alltagstauglicher Robotik spielen.

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