Als eine von drei ausgezeichneten Wissenschaftler*innen der Universität Bonn – Partnerinstitution des Lamarr-Instituts – erhält Informatik-Professorin Lucie Flek einen ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats. Mit der Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro baut sie ihre Forschung zu Künstlicher Intelligenz weiter aus und stärkt damit auch die Expertise des Lamarr-Instituts. Weitere Grants gingen an Projekte in den Wirtschaftswissenschaften und der Evolutionsbiologie.
Eine KI mit sozialer Intelligenz
KI-Systeme wie ChatGPT übernehmen zunehmend auch soziale Rollen – ob als Ratgeber im Alltag, als Lernhilfe oder als Gesprächspartner in schwierigen Situationen. Gerade in Momenten, in denen Empathie, Urteilsvermögen und soziales Verständnis am wichtigsten sind, versagen diese Systeme jedoch oft. Hier setzt das Projekt „LLMpathy“ von Prof. Dr. Lucie Flek vom Institut für Informatik der Universität Bonn an. Ihr Ziel: Künstliche Intelligenz (KI) sozial intelligenter machen.
„Die heutige KI kann Empathie imitieren, versteht aber nicht, wie sie funktioniert“, sagt Prof. Lucie Flek, die auch am Lamarr-Institut und dem Bonn-Aachen International Center for IT (b-it) forscht. „Gleichzeitig haben die Sprachmodelle gelernt, sehr komplexe Probleme in der Mathematik zu lösen, indem sie sie in einfache Schritte zerlegen. In LLMpathy wollen wir ihnen beibringen, auch menschliches Denken und Gefühle so zu strukturieren und richtig zu begründen.“ Um das zu erreichen, wird Flek, die auch in den Transdisziplinären Forschungsbereichen (TRA) „Modelling“ und „Matter“ sowie dem im Januar 2026 startenden Exzellenzcluster „Our Dynamic Universe“ der Uni Bonn über KI forscht, fortgeschrittene Lernmethoden in der KI und psychologische Langzeitstudien kombinieren.
„Die KI erhält ein personalisiertes Profil, das Eigenschaften, Werte, Gefühle und Handlungen miteinander verbindet. So können Modelle ihre Antworten kausal erklären und durch menschliches Feedback immer weiter verbessern.“ Ergänzend entsteht eine Simulationsumgebung, in der personalisierte KI-Agenten miteinander interagieren – etwa in Konflikten oder Verhandlungen. „Damit können wir erstmals systematisch messen, wie gut Sprachmodelle fremde Perspektiven einnehmen, Ziele verfolgen oder Manipulationen widerstehen.“ Die neuen Erkenntnisse werden zudem helfen, unethische Formen der Personalisierung aufzudecken, etwa wenn KI emotionalen Druck in der Werbung ausübt, und sicherzustellen, dass zukünftige KI-Systeme hohe Standards in Bezug auf Transparenz, Vertrauenswürdigkeit und ethisches Verhalten erfüllen – im Einklang mit dem bevorstehenden KI-Gesetz der EU.
Prof. Dr. Lucie Flek leitet die Gruppe Data Science and Language Technologies am Bonn-Aachen International Center for Information Technology (b-it) der Universität Bonn, wo sie auch Mitglied in den Transdisziplinären Forschungsbereichen (TRA) „Modelling“ und „Matter“ sowie dem im Januar 2026 startenden Exzellenzcluster „Our Dynamic Universe“ der Uni Bonn ist. Als Area Chair für Natural Language Processing (NLP) am Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz verbindet sie diese Arbeit mit ihrer Forschung zu schlussfolgernden Sprachmodellen (Reasoning LLMs), KI-Sicherheit und KI für Wissenschaft. Prof. Flek war sowohl im akademischen Bereich als auch in der Industrie tätig, etwa für Amazon Alexa und Google Shopping Search in Europa. An der University of Pennsylvania und dem University College London forschte sie zur Modellierung von Nutzern anhand von Texten, und Anwendungen solcher KI-Modelle in der Psychologie und den Sozialwissenschaften.
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