{"id":4545,"date":"2022-06-01T02:06:35","date_gmt":"2022-06-01T02:06:35","guid":{"rendered":"https:\/\/lamarr-institute.org\/blog\/testen-von-dnns\/"},"modified":"2025-11-12T14:53:13","modified_gmt":"2025-11-12T14:53:13","slug":"testen-von-dnns","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/testen-von-dnns\/","title":{"rendered":"Ein Ansatz zum granularen Testen von tiefen neuronalen Netzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Tiefe neuronale Netze (engl. Deep Neural Networks, DNN) haben ph\u00e4nomenale Leistungen gezeigt und in verschiedenen Bereichen das Niveau menschlicher Expert*innen erreicht oder \u00fcbertroffen. In der Computer Vision, die f\u00fcr den Erfolg von Technologien wie dem autonomen Fahren oder der automatisierten medizinischen Diagnose von entscheidender Bedeutung ist, wird eine Version von DNNs, die sogenannten Convolutional Neural Networks (CNNs), eingesetzt. CNNs haben klassische Module des maschinellen Lernens f\u00fcr komplexe Aufgaben wie semantische Segmentierung oder Objekterkennung ersetzt. Wie andere DNNs sind auch CNNs Black Boxes, bei denen die zugrundeliegende Funktion zur Ann\u00e4herung an die reale Verteilung von Daten anhand von Trainingsdaten erlernt wird und der Entscheidungsfindungsprozess des DNNs selbst f\u00fcr den Menschen nicht leicht interpretierbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Einsatz von CNNs in realen Anwendungen spielt die Verifizierung und Validierung (V&amp;V) eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Sicherheitsgarantien, um aus Sicht der Nutzer*innen Vertrauen in die Produkte aufzubauen. Im Gegensatz zur V&amp;V im Softwarebereich ist die V&amp;V von DNNs aufgrund ihrer Blackbox-Natur jedoch nicht trivial. Die Software kann auf mehreren Ebenen getestet werden, z. B. mit Unit-Tests, Integrationstests und funktionalen Tests, um sicherzustellen, dass keine Abweichungen vom erwarteten Verhalten auftreten. DNNs k\u00f6nnen jedoch nicht einfach auf der Ebene der Einheiten oder der Funktionen getestet werden. Im Allgemeinen wird beim \u00fcberwachten Lernen ein Testdatensatz zusammen mit dem Trainingsdatensatz aus den gesamten verf\u00fcgbaren markierten Daten erstellt. Die trainierten DNNs werden dann anhand dieser Testdatens\u00e4tze bewertet und mit anderen klassischen, Deep Learning- oder menschlichen Leistungen verglichen, wobei eine Metrik verwendet wird, die \u00fcber den gesamten Testdatensatz aggregiert wird. Diese aggregierten metrischen Werte geben jedoch keine Auskunft dar\u00fcber, wann oder wie ein DNN versagen k\u00f6nnte. Au\u00dferdem gibt es keine konventionelle Methode, um sicherzustellen, dass der Datensatz alle Aspekte des realen Problems ausreichend abdeckt. Das ist wichtig, um zu gew\u00e4hrleisten, dass die Ergebnisse die reale Leistung des DNN widerspiegeln.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span style=\"font-size: 18pt;\">Probleme mit aggregierten Metriken<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachten wir ein DNN, das mit der Erkennung von Fu\u00dfg\u00e4nger*innen auf Bildern von Verkehrssituationen beauftragt ist. Wir k\u00f6nnen die Leistung des Modells auf dem Testdatensatz mit Hilfe von \u201eIntersection over Union\u201c (IoU), einer h\u00e4ufig verwendeten semantischen Segmentierungsmetrik, ermitteln. Nehmen wir an, dass wir eine Punktzahl von<br>80 % erreichen, was besser ist als die bestehenden klassischen Methoden. W\u00fcrde man nur die aggregierte Punktzahl verwenden, k\u00f6nnte man den Einsatz eines solchen Modells in einer realen Anwendung in Betracht ziehen. Es k\u00f6nnte jedoch Unterregionen im Datenraum geben, in denen das Modell schlechter abschneidet als der Durchschnitt. Solche Regionen mit geringer Leistung k\u00f6nnten potenzielle Schwachstellen sein, die aus den Trainingsdaten gelernt wurden. Wir schlagen vor, menschlich verst\u00e4ndliche semantische Merkmale, die die Szene beschreiben, als Unterregionen der Daten zu betrachten und die Leistungsmetrik durch Gruppierung \u00fcber solche semantischen Merkmale zu berechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 1 zeigt eine Darstellungsskizze unseres Beispiels, in der wir das IoU entlang der semantischen Dimensionen sehen \u2013 die Hautfarbe der Fu\u00dfg\u00e4nger*innen, welche auf einen Bias in den Daten hinweist. Die Farbe der Punkte im Bild zeigt die Hautfarbe der Fu\u00dfg\u00e4nger*innen an, und wir k\u00f6nnen recht schnell feststellen, dass das Modell bei dunkelh\u00e4utigen Fu\u00dfg\u00e4nger*innen durchweg schlecht abschneidet. Dieser Test kann auf alle m\u00f6glichen semantischen Dimensionen ausgedehnt werden, die nach Ansicht eines\/einer menschlichen Expert*in sicherheitskritisch sind. Wir erwarten zwar unabh\u00e4ngige und identisch verteilte Stichproben in den Testdatens\u00e4tzen, aber die reale Welt hat eine zeitliche und semantische Konsistenz. Angenommen, die Modelle sind systematisch schwach f\u00fcr bestimmte semantische Dimensionen in einer Szene: In diesem Fall werden sie wahrscheinlich auch in zuk\u00fcnftigen Szenen schwach sein. Deshalb ist es wichtig, solche Schwachstellen zu identifizieren und das zugrunde liegende Problem zu beheben. Wir nennen das <strong>semantisches Testen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/sematic_test-15.jpg\" alt=\"- Lamarr Institute for Machine Learning (ML) and Artificial Intelligence (AI)\" class=\"wp-image-25365\" title=\"\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Fraunhofer IAIS <br>Abbildung 1: Ein Darstellungsschema, um zu zeigen, wie semantische Tests bei der Identifizierung von Schwachstellen in DNNs von Nutzen sein k\u00f6nnen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Semantisches Testen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie man sich vorstellen kann, ist die Generierung von gekennzeichneten Daten f\u00fcr \u00fcberwachtes Lernen selbst eine zeit- und kostenintensive Aufgabe. Die zus\u00e4tzliche Beschaffung von Szenen- und semantischen Informationen w\u00fcrde den Kennzeichnungsprozess weiter verkomplizieren. Bestimmte semantische Merkmale k\u00f6nnen mithilfe automatisierter klassischer Bildverarbeitungstechniken aus den Rohbildern und Beschriftungen extrahiert werden, aber es gibt eine Grenze f\u00fcr die Ausf\u00fchrlichkeit dieses Ansatzes. Mithilfe von Computersimulatoren k\u00f6nnen wir jedoch die Prozesse der Datengenerierung, der Kennzeichnung und der Extraktion von Szenenbeschreibungen automatisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/openaccess.thecvf.com\/content\/ICCV2021W\/ERCVAD\/html\/Gannamaneni_Semantic_Concept_Testing_in_Autonomous_Driving_by_Extraction_of_Object-Level_ICCVW_2021_paper.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">F\u00fcr unsere Arbeit<\/a> verwenden wir einen solchen Open-Source-Simulator f\u00fcr autonomes Fahren, den <a href=\"https:\/\/carla.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CARLA-Simulator<\/a>. W\u00e4hrend es bereits m\u00f6glich ist, Rohbilder und Beschriftungen direkt zu extrahieren, mussten wir einige \u00c4nderungen am Quellcode vornehmen, um die Metadaten der Szenen zu extrahieren (Code auf <a href=\"https:\/\/github.com\/sujan-sai-g\/Semantic-Concept-Testing-using-CARLA\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">GitHub<\/a> verf\u00fcgbar). Mit unserem modifizierten CARLA-Simulator erstellen wir einen gro\u00dfen Datensatz von Rohszenen, semantischen Segmentierungslabels und Metadaten der Szenen und verwenden diese, um ein semantisches Segmentierungs-DNN namens <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.05587\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DeepLabv3+<\/a> zu trainieren. Wir f\u00fchren verschiedene Auswertungen \u00fcber semantische Dimensionen hinweg durch, um zu untersuchen, wo Schwachstellen im Modell auftreten k\u00f6nnten. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir das Modell weiter ausbauen, indem wir, wie in Video 1 gezeigt, spezielle Test-sets erstellen, in denen wir eine einzige semantische Dimension in jedem Bild \u00e4ndern, zum Beispiel die Position der zu Fu\u00df gehenden Person, und die Leistung, wie in Abbildung 2 gezeigt, bewerten. Dabei wird deutlich, dass die Leistung nicht einheitlich ist. Wie erwartet werden Fu\u00dfg\u00e4nger<em>innen, die sich in der N\u00e4he befinden, besser erkannt als Fu\u00dfg\u00e4nger<\/em>innen, die weiter entfernt sind. Wir k\u00f6nnen jedoch feststellen, dass es neben der Entfernung noch andere Faktoren gibt, die die Leistung beeinflussen, da diese nicht symmetrisch ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video height=\"1280\" style=\"aspect-ratio: 1920 \/ 1280;\" width=\"1920\" autoplay controls loop muted src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/Medien1_10sek.mp4\"><\/video><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/xy_plot-15.jpg\" alt=\"- Lamarr Institute for Machine Learning (ML) and Artificial Intelligence (AI)\" class=\"wp-image-25369\" title=\"\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Fraunhofer IAIS <br>Abbildung 2: Top-Down-Ansicht der Szene im Video. Jeder Punkt stellt die Position der zu Fu\u00df gehenden Person dar. Die Farbe stellt die Leistung des Modells an dieser Position dar.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Semantisches Testen bietet einen detaillierteren und besser interpretierbaren Ansatz f\u00fcr das Testen von DNNs. Mit semantischen Tests kann man Fragen der Art beantworten: Funktioniert das Fu\u00dfg\u00e4ngererkennungsmodell f\u00fcr (i) alle realen Positionen, an denen sich ein\/eine Fu\u00dfg\u00e4nger*in aufhalten k\u00f6nnte, oder gibt es bestimmte Orte, an denen eine h\u00f6here Fehlerwahrscheinlichkeit besteht? (ii) gibt es Bekleidungsarten, die f\u00fcr ein Modell schwierig sind? Allerdings sind semantische Tests, wenn sie anhand einzelner Dimensionen ausgewertet werden, nach wie vor in ihrem Umfang begrenzt. Eine geringe Leistung bei bestimmten semantischen Merkmalen ist nicht unbedingt auf dieses semantische Merkmal selbst zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer semantischer Merkmale, z. B. Ort + Kontrast + Verdeckung. In solchen Situationen ist es nicht trivial, zu erkennen, welche semantischen Merkmale f\u00fcr die Leistung wichtig sind und welche nicht. Unsere zuk\u00fcnftige Arbeit befasst sich mit der Erstellung einer solchen \u201eWichtigkeitsmatrix\u201c der semantischen Dimensionen, die die Leistung beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen im zugeh\u00f6rigen Paper:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Semantic Concept Testing in Autonomous Driving by Extraction of Object-Level Annotations from CARLA.<\/strong><br>Gannamaneni, Sujan, Sebastian Houben, and Maram Akila. <em>Proceedings of the IEEE\/CVF International Conference on Computer Vision<\/em>. 2021. <a href=\"https:\/\/openaccess.thecvf.com\/content\/ICCV2021W\/ERCVAD\/html\/Gannamaneni_Semantic_Concept_Testing_in_Autonomous_Driving_by_Extraction_of_Object-Level_ICCVW_2021_paper.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Einsatz neuer Technologien wie Deep Learning (DL) in sicherheitskritischen Anwendungen ist die Einf\u00fchrung strenger Test- und Zertifizierungsverfahren unerl\u00e4sslich. Wir schlagen einen Testansatz vor, der Schwachstellen in DL-Modellen identifizieren k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":3670,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"blog-category":[1416,546],"blog-tag":[1458,1480,1526,1612],"class_list":["post-4545","blog","type-blog","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","blog-category-alle-blogbeitraege","blog-category-anwendung","blog-tag-convolutionale-neuronale-netze","blog-tag-deep-learning-de","blog-tag-ki-in-der-medizin","blog-tag-tiefe-neuronale-netze"],"acf":[],"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4545\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"blog-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog-category?post=4545"},{"taxonomy":"blog-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog-tag?post=4545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}