{"id":4406,"date":"2021-04-07T06:00:02","date_gmt":"2021-04-07T06:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/lamarr-institute.org\/blog\/edge-deployment\/"},"modified":"2025-11-12T14:53:41","modified_gmt":"2025-11-12T14:53:41","slug":"edge-deployment","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/edge-deployment\/","title":{"rendered":"On the Edge \u2013 Das Deployment f\u00fcr KI der Zukunft?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile begegnen sie uns \u00fcberall: Die Ger\u00e4te des Internet of Things (IoT) &#8211; Kameras, Drohnen, industrielle Anlagen oder erste Ausl\u00e4ufer autonom fahrender Fahrzeuge. All diese Dinge vereint, dass sie immense Datenmengen erzeugen, die typischerweise automatisiert und zunehmend mit Methoden des Maschinellen Lernens ausgewertet werden. Dabei werden in klassischen KI-Infrastrukturen die Daten zentral, zum Beispiel in einem Rechenzentrum, gesammelt und f\u00fcr datengetriebene Algorithmen zur Verf\u00fcgung gestellt. Das Ergebnis dieser Algorithmen wird anschlie\u00dfend an den jeweiligen Zielort transferiert. Bei industriellen Anlagen k\u00f6nnen so beispielsweise Sensordaten genutzt werden, um Auff\u00e4lligkeiten in Datenmustern zu erkennen und im Falle von erkannten oder bevorstehenden St\u00f6rungen den Wartungsdienst zu informieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritisch wird dies allerdings, wenn Datenstr\u00f6me sehr gro\u00df sind oder von vielen Ger\u00e4ten stammen, Anforderungen einer Echtzeit-Auswertung bestehen oder die transferierten Daten sensibel sind. Denn gro\u00dfe Datenstr\u00f6me von einem Ger\u00e4t oder Datenstr\u00f6me von vielen Ger\u00e4ten verursachen sehr hohe Bandbreiten an Netzwerkauslastung, der n\u00f6tige Transfer zum zentralen Rechenzentrum l\u00f6st sch\u00e4dliche Verz\u00f6gerung f\u00fcr Echtzeitanwendungen aus und sensible Daten verhindern schlicht die M\u00f6glichkeit zur zentralen Speicherung. Eine weitere Herausforderung sind umwelttechnische und soziale Faktoren. So r\u00fcckt sowohl der Energieverbrauch von KI-Modellen als auch die Macht \u00fcber zentralgespeicherte Daten und der kosteng\u00fcnstige Zugang zu KI-Technologien zunehmend in den Fokus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>Edge Deployment &#8211; eine m\u00f6gliche L\u00f6sung?<\/strong><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine L\u00f6sung f\u00fcr viele dieser Herausforderungen bietet das sogenannte Edge Deployment von KI-L\u00f6sungen an, wodurch die Datenverarbeitung und Auswertung dezentral am Rand des Netzwerks (der sogenannten Kante) bereitgestellt wird. Hierbei wird, im Gegensatz zum zentralen Deployment im Rechenzentrum, der Auswertealgorithmus auf einen oder mehreren dezentralen Rechnern oder Mikroprozessoren implementiert \u2013 typischerweise dort, wo auch die Daten entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Veranschaulichung soll eine typische KI-Anwendung aus der Bildverarbeitung dienen: die Objekterkennung. Im Falle des klassischen zentralen Deployment werden die Videostreams der Kameras zentral gesammelt und durch den Objekterkennungsalgorithmus zwecks Inferenz geleitet. Das Ergebnis sind die Konfidenz, Boxkoordinaten und Klassennamen der erkannten Objekte. Wenn nun die Anforderung an eine Echtzeitverarbeitung besteht, muss der Videostream einer Kamera mit der ben\u00f6tigten Aufl\u00f6sung und Framerate (FPS) \u00fcbertragen werden. Dieser Datenstrom multipliziert sich mit der gew\u00fcnschten Anzahl von Ger\u00e4ten und erreicht schnell die ben\u00f6tigten Transfergeschwindigkeiten von mehreren Megabyte beziehungsweise Gigabyte pro Sekunde (je nach Setup), die zum Rechenzentrum transferiert werden m\u00fcssen. Selbstverst\u00e4ndlich werden durch diese daf\u00fcr erforderliche Bandbreite Kosten anfallen, die nicht zu vernachl\u00e4ssigen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine m\u00f6gliche Edge-L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem k\u00f6nnte zum Beispiel ein direkt an die Kamera angeschlossener Rechner sein, auf dem der Objekterkennungsalgorithmus ausgef\u00fchrt wird. \u00dcbermittelt wird hierbei nur noch der Ergebnisstring, der im Vergleich zum Videostream zur \u00dcbermittelung nur wenige Kilobyte pro Sekunde an Bandbreite erfordert. Da der ben\u00f6tigte Edge-Rechner in diesem Szenario nur die Aufgabe hat den Videostream auszuwerten und zu \u00fcbermitteln, kann auf typische kosteng\u00fcnstige Kleinstrechner zur\u00fcckgegriffen werden, welche bereits f\u00fcr unter 100 Euro erworben werden k\u00f6nnen. Diese Herangehensweise ist besonders attraktiv, wenn f\u00fcr die L\u00f6sung der technischen Aufgabenstellung sehr viele Ger\u00e4te ben\u00f6tigt werden. Sie erfordert jedoch zus\u00e4tzlich eine genaue Abstimmung zwischen Edge-Rechner und KI-Modell.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/trash2.gif\" alt=\"- Lamarr Institute for Machine Learning (ML) and Artificial Intelligence (AI)\" class=\"wp-image-25752\" title=\"\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Pressmaster\/pexels<br>Ein Beispiel f\u00fcr einen Objekterkennungsalgorithmus basierend auf der&nbsp;<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1612.01051\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">SqueezeDet Architektur<\/a>, der sich besonders f\u00fcr ein Deployment auf ressourcenbeschr\u00e4nkten Systemen eignet \u2013 Dieses Modell erm\u00f6glicht das Erkennen von M\u00fcll und soll auf Fahrzeugen platziert werden, um Verschmutzungen zu kartographieren (Originalvideo:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pexels.com\/video\/group-of-people-picking-up-trash-in-a-park-3209571\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pressmaster<\/a>).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Autonomes Fahren als Vorreiter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem wesentlichen Fortschritt im Bereich Edge Deployment hat unter anderem die Automobilindustrie mit der Erforschung autonom fahrender Fahrzeuge beigetragen. Hier ist der Bedarf f\u00fcr kleine, ressourceneffiziente L\u00f6sungen besonders gro\u00df, die auf der einen Seite gro\u00dfe Datenstr\u00f6me (zum Beispiel durch Kameraaufnahmen) zuverl\u00e4ssig in Echtzeit verarbeiten k\u00f6nnen und auf der anderen Seite konkurrenzf\u00e4hig auf dem Massenmarkt bleiben m\u00fcssen. Dabei wird insbesondere der ganzheitliche Charakter der ben\u00f6tigten L\u00f6sungen wieder ersichtlich: Angefangen von der ma\u00dfgeschneiderten, ressourcenoptimierten Hardware hin zu speziell entwickelten Netzwerkarchitekturen f\u00fcr neuronale Netze, die gegen\u00fcber etablierten Objekterkennungsalgorithmen ein Deployment auf einer ressourcenbeschr\u00e4nkten Hardware beg\u00fcnstigen. Gerade bei neuronalen Netzen, welche besonders den Bereich der Bildverarbeitung in den letzten Jahren stark gepr\u00e4gt haben, ist die Anzahl der Modellparameter besonders kritisch.&nbsp; Das hei\u00dft, dass eine Reduktion der Modelparameter zusammen mit den n\u00f6tigen Operationen w\u00fcnschenswert ist, um die Inferenzgeschwindigkeit und somit die FPS-Rate zu maximieren. Ungl\u00fccklicherweise besitzen viele Branchen nicht die finanziellen Mittel der Automobilindustrie. Jedoch lassen sich viele der entwickelten L\u00f6sungen mit relativ wenig Aufwand auf andere Bereiche \u00fcbertragen. Gerade f\u00fcr weit verbreitete Datentypen wie Bild, Text und Audio lassen sich Wissen und ganze Modelle so auch in anderen Praxisfeldern anwenden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dezentrales Training und Datenmanagement<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein neuer Aspekt des Edge Deployment ist die Erweiterung der Modelltrainingsm\u00f6glichkeiten. Hierbei ist zwischen dem zentralen Training und anschlie\u00dfenden dezentralen Edge Deployment und dem g\u00e4nzlich dezentralen Training (federated training) zu unterscheiden. Gerade das g\u00e4nzlich dezentrale Training besticht durch das Wegfallen der Bedingung, dass Trainingsdaten zentral gespeichert werden m\u00fcssen und ist besonders im Falle sensibler oder sehr gro\u00dfen Daten eine effiziente M\u00f6glichkeit KI-Modelle sicher zu trainieren. Sowohl das verteilte Lernen aber auch die Kompression von Modellen ist meist iterativ und erfordert ein umsichtiges Management der Trainingsl\u00e4ufe. Auch hier ist es empfehlenswert auf die Erkenntnisse aus dem Bereich <a href=\"https:\/\/www.iais.fraunhofer.de\/de\/geschaeftsfelder\/big-data-analytics-and-intelligence\/mlops.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Machine Learning Operations (MLOps)<\/a> zur\u00fcckzugreifen und von der initialen Architekturauslegung hinzu dem operativen Training und der Revisionierung von KI-Modellen s\u00e4mtliche Aspekte in einem fr\u00fchen Stadium mit abzubilden. MLOps beschreibt eine Mischung aus klassischen DevOps und Machine Learning Ans\u00e4tzen und verfolgt die systematische Planung und Implementierung solcher L\u00f6sungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiterhin gestaltet sich das \u00dcberwachen, Monitoring und das Updaten solch implementierter Edge-L\u00f6sungen schwieriger als das zentrale Deployment im Rechenzentrum und erfordert eine gr\u00fcndliche Planung bei der Auslegung. Viele dieser Herausforderungen sind bereits Gegenstand der Untersuchung im neu entstanden Zweig Machine Learning Operations (<a href=\"https:\/\/www.iais.fraunhofer.de\/de\/geschaeftsfelder\/big-data-analytics-and-intelligence\/mlops.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MLOps<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hardware-Modellabstimmung: Auf dem Weg zur TinyML Bewegung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bereits im oberen Abschnitt erw\u00e4hnt, m\u00fcssen die Leistung des Edge-Rechners und die Art und Gr\u00f6\u00dfe des KI-Modells aufeinander abgestimmt werden. So ist es nicht verwunderlich, dass Baugr\u00f6\u00dfe, Energieverbrauch und Hardwareleistung stark miteinander korrelieren. Eine besonders ausgepr\u00e4gte Variante des Edge Deployment ist das Einsetzen (Deployment) beziehungsweise Einbetten (Embedding) von Machine Learning L\u00f6sungen auf sehr kleinen Plattformen, wie Mikrokontrollern. Diese haben nur wenige Milliampere und Kilobyte Speicher zur Verf\u00fcgung und k\u00f6nnen somit theoretisch mit einer Solarzelle oder kleinen Batterie wochen- oder sogar monatelang betrieben werden. Aus diesen extremen Herausforderungen ist eine eigene Bewegung hervorgegangen, <strong>die TinyML Bewegung<\/strong>, welche sich mit der L\u00f6sung dieser Probleme besch\u00e4ftigt. Hier spielen besonders Modellkompression und hochoptimierte und verkleinerte Machine Learning Ans\u00e4tze eine bedeutende Rolle. Mit Ans\u00e4tzen des TinyML werden KI-Ans\u00e4tze wortw\u00f6rtlich zur Massenware. So sind intelligente Kleidung oder Bauteile durch eingearbeitete Mikroprozessoren denkbar und bereits jetzt l\u00e4ngst keine Zukunftsvision mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass das Edge Deployment eine attraktive M\u00f6glichkeit darstellt, KI-basierte Anwendungen in die Produktion zu bringen. Dabei m\u00fcssen die Vor- und Nachteile eines Edge Deployment gegen\u00fcber eines zentralen Deployment in Betracht gezogen werden. Vorteile sind unter anderem ein reduzierter Datentransfer, die M\u00f6glichkeit zur Analyse in Echtzeit am Ger\u00e4t, ein sicherer Umgang mit sensiblen Daten und die M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein dezentrales Datenmanagement und Training. Die Nachteile stellen ein aufw\u00e4ndigeres Flotten- und Softwaremanagement und beschr\u00e4nkte Rechenressourcen der Edge-Rechner dar. Somit muss weiterhin eine genaue Abstimmung des zu implementierenden KI-Algorithmus und der Auswahl des Edge-Rechners durchgef\u00fchrt werden. Dies wird umso relevanter je kleiner und sparsamer das Zielger\u00e4t sein soll. Dabei bildet das TinyML die unterste Ebene, bei der ein Deployment auf Mikrokontrollern und embedded Systems stattfindet. KI-Modelle k\u00f6nnen hierf\u00fcr gezielt klein ausgelegt oder bestehende Modelle komprimiert und optimiert werden. Fast alle genannten Aspekte erfordern eine genaue Revisionierung und Auslegung der Prozesse. Der Bereich Machine Learning Operations (MLOps) kann hierbei helfen diese Aspekte in einer sehr fr\u00fchen Phase abzubilden. In Zukunft wird der Bereich MLOps mit zunehmender Produktisierung in Form von Edge Produkten sowohl in Unternehmen als auch in Forschungseinrichtungen zunehmend wichtiger, um besonders den grunds\u00e4tzlichen Einsatz des Modells, sowie dessen \u00dcberwachung und Aktualisierung bei neu vorliegenden Daten zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edge Deployment erm\u00f6glicht die sichere und ressourcenschonende Verarbeitung gro\u00dfer Datenstr\u00f6me in Echtzeit sowie ein dezentrales Datenmanagement und Training im Maschinellen Lernen. 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