{"id":4253,"date":"2022-09-07T04:05:08","date_gmt":"2022-09-07T04:05:08","guid":{"rendered":"https:\/\/lamarr-institute.org\/blog\/ki-in-der-arbeitswelt\/"},"modified":"2025-11-12T14:51:39","modified_gmt":"2025-11-12T14:51:39","slug":"ki-in-der-arbeitswelt","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/ki-in-der-arbeitswelt\/","title":{"rendered":"Ver\u00e4nderungen in der Arbeitswelt durch KI und m\u00f6gliche geschlechterspezifische Auswirkungen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Dachverband vertritt der <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutsche Gewerkschaftsbund<\/a> (DGB) seine acht Mitgliedsgewerkschaften gegen\u00fcber politischen Entscheidungstr\u00e4gern, Parteien und Verb\u00e4nden. Er ist die politische Stimme der Gewerkschaften und koordinieren die gewerkschaftlichen Aktivit\u00e4ten. So nimmt er Stellung zu Gesetzesentw\u00fcrfen und koordinieren die Vertretung bei Sozialversicherungen, Kammern und Gerichten. Mit rund 5,7 Millionen organisierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist der DGB der weltgr\u00f6\u00dfte Gewerkschaftsbund. In Nordrhein-Westfalen vertritt er rund 1,3 Millionen Mitglieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allgemein wird K\u00fcnstliche Intelligenz als Oberbegriff f\u00fcr Computeranwendungen verstanden, die selbstst\u00e4ndig und automatisiert bestimmte Aufgaben erledigen. Um eigenst\u00e4ndig handeln zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen solche Systeme programmiert werden. KI kann in vielf\u00e4ltigen Prozessen zum Einsatz kommen; etwa bei der <a href=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/ki-verantwortung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Personalauswahl<\/a>, der Produktion, bei <a href=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/ki-in-der-radiologie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">medizinischen Diagnosen<\/a>, bei der Steuerung von Arbeitsabl\u00e4ufen, der Planung von Arbeitseins\u00e4tzen und vielem mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">KI-Anwendungen als lernende Software- und Entscheidungssysteme werden gro\u00dfe Potenziale zugeschrieben. Dies gilt sowohl f\u00fcr die Automatisierung als auch f\u00fcr intelligente Assistenz menschlicher Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese grunds\u00e4tzlichen Potenziale sehen wir Gewerkschaften auch, aber die Anwendung im betrieblichen Alltag muss von vornherein mit dem\/der Besch\u00e4ftigten ausgestaltet werden. So k\u00f6nnen vor einer Investitionsentscheidung und Einf\u00fchrung Chancen und Risiken f\u00fcr den Betriebseinsatz gemeinsam bewertet werden. Zwar gibt es f\u00fcr die KI-Einf\u00fchrung bislang kein explizites betriebliches Mitbestimmungsrecht entsprechend dem Betriebsverfassungsgesetz, doch sollte Beteiligungsorientierung vor Einf\u00fchrung im Betrieb an erster Stelle stehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span style=\"font-size: 18pt;\">KI-Systeme und ihre Auswirkung auf Besch\u00e4ftigte<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei manchen Anwendungsfolgen kommt der Betriebsrat sp\u00e4ter dann doch zwingend ins Spiel. Wenn die KI-Einrichtung potenziell geeignet ist, das Verhalten oder die Leistung der Besch\u00e4ftigten zu \u00fcberwachen, muss der Betriebsrat sp\u00e4testens dann mitbestimmen. Das gilt auch f\u00fcr KI-Systeme, durch die Gefahren f\u00fcr die physische oder psychische Gesundheit der Besch\u00e4ftigten drohen. Bei jeder Gef\u00e4hrdungsbeurteilung, die Auswirkungen von KI zu bewerten hat, ist der Betriebsrat mit an Bord. Dann sind Fragen zu beantworten wie: Welche Folgen haben die KI-Systeme f\u00fcr die Gesundheit jedes Einzelnen? Gibt es spezielle Auswirkungen auf bestimmte Gruppen im Betrieb, wie k\u00f6nnen geschlechterspezifische Aspekte ber\u00fccksichtigt werden und wie belastend ist es, wenn ein Computer zum Chef wird? Nimmt etwa trotz oder gerade wegen der KI das Arbeitstempo zu?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So bestehen unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen, Hoffnungen und Bef\u00fcrchtungen, die allerdings vor allem zeigen, dass der Einsatz von KI-basierten Systemen nicht allein technisch bestimmt ist, es gibt stets eine soziale Dimension im Betriebseinsatz. Es kommt daher in erster Linie darauf an, wie und f\u00fcr welchen Zweck K\u00fcnstliche Intelligenz genutzt wird. Es geht bei der Anwendung auch nicht allein darum, datenrechtliche Grenzen einzuhalten, sondern <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/gute-arbeit\/digitalisierung-in-der-arbeitswelt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>\u201eGute Arbeit by Design<\/strong>\u201c<\/a> tats\u00e4chlich zu entwickeln. Das ist der Gestaltungsansatz des DGBs. Dazu geh\u00f6rt \u2013 neben der Zielfindung zum Einsatz des Systems \u2013 Transparenz \u00fcber nachvollziehbare und \u00fcberpr\u00fcfbare Informationen sowie die Erkl\u00e4rbarkeit zu Wirkungsweise und Zusammenh\u00e4ngen. Das beinhaltet die Frage, zu welchem Zweck personenbezogene \u2013 und selbst anonymisierte \u2013 Daten genutzt werden sollen und d\u00fcrfen. Daf\u00fcr sollten im Betrieb entsprechende Verantwortlichkeiten festgelegt werden, eine stringente Zweckbindung sowie Folgenabsch\u00e4tzung umgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.imu-boeckler.de\/data\/Hans-Boeckler-Stiftung_Mitbestimmung_Gestaltungsprinzip-der-.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beteiligung ist der Schl\u00fcsselfaktor<\/a>. Es ist daher essenziell, die Ver\u00e4nderungen in der Arbeitswelt und im konkreten Betriebsalltag beteiligungsorientiert und im Sinne von \u201eGuter Arbeit by Design\u201c zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span style=\"font-size: 18pt;\">Ein differenzierter Blick auf die Geschlechter muss gew\u00e4hrleistet sein<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bereits eingangs erw\u00e4hnt, ist bei den weitreichenden Ver\u00e4nderungen, die KI mit sich bringt, ein differenzierter Blick auf die Geschlechter essenziell. Es muss sichergestellt werden, dass algorithmische Systeme bereits vorhandene strukturelle Benachteiligungen nicht reproduzieren. Wenn beispielsweise Anwendungen zur Personalauswahl mit Daten erstellt werden, die aufgrund bestehender Unterrepr\u00e4sentanz von Frauen in F\u00fchrungspositionen M\u00e4nner automatisch bevorzugen, ist das ein gro\u00dfer R\u00fcckschritt. Deshalb ergibt es auch aus gleichstellungspolitischer Sicht Sinn, Betriebs- und Personalr\u00e4te fr\u00fchzeitig zu beteiligen. Denn KI und der Wandel der Arbeitswelt bieten die Chance, bewusst geschlechterfreundlich gestaltet zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Substituierbarkeitspotenzial in vorwiegend von Frauen ausge\u00fcbten Berufen ist geringf\u00fcgig niedriger als in von M\u00e4nnern \u00fcberwiegend ausge\u00fcbten Berufen. Da spielt eine gro\u00dfe Rolle, dass z. B. in Care-Berufen weniger menschliche Arbeitskraft ersetzbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Blick auf Branchen, f\u00fcr die KI besonders interessant sind, f\u00e4llt auf, dass B\u00fcrot\u00e4tigkeiten, die \u00fcberwiegend von Frauen ausgef\u00fchrt werden, st\u00e4rker ersetzbar sind als beispielsweise Managementposten. Gleichzeitig gibt es schon jetzt einen enormen Fachkr\u00e4ftemangel im IT-Bereich. Bei einem derzeitigen M\u00e4nneranteil der IT-Fachkr\u00e4fte von mehr als 80 Prozent liegt auf der Hand, dass schon die Entwicklung und Einf\u00fchrung von KI eine Schieflage aufweist und Frauen in diesem Prozess kaum beteiligt sind. <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/resource\/blob\/184544\/c0d592d2c37e7e2b5b4612379453e9f4\/dritter-gleichstellungsbericht-bundestagsdrucksache-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieses Problem wird auch in dem dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung behandelt<\/a>. Gezielte Frauenf\u00f6rderung bei Aus- und Weiterbildung zu IT-Fachkr\u00e4ften kann die Transformation positiv gestalten, Fachkr\u00e4fte und Arbeitspl\u00e4tze sichern und Geschlechtergerechtigkeit voranbringen. Viele der in diesem Beitrag nur angerissenen Aspekte werden seitens des DGB im Rahmen eines <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++21a2fa9a-b4bd-11ec-9da2-001a4a160123\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">novellierten Betriebsverfassungsgesetzes<\/a> eingefordert. Neben einer rechtlich verankerten Mitbestimmung beim betrieblichen Einsatz K\u00fcnstlicher Intelligenz betrifft dies auch Mitbestimmungs- und Initiativrechte des Betriebsrats bei Fragen der Gleichstellung sowie die Einsetzung eines Gleichstellungsausschusses. Dies alles tr\u00e4gt dazu bei, \u201eGute Arbeit by Design\u201c umzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kooperation mit dem Landesfrauenrat RLP: Der Beitrag unserer Gastautor*innen des DGBs NRW skizziert das Thema KI in der Arbeitswelt und beantwortet die Frage, welche m\u00f6glichen geschlechterspezifischen Auswirkungen sie haben kann.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":4254,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"blog-category":[1416,390,465],"blog-tag":[1531,1454],"class_list":["post-4253","blog","type-blog","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","blog-category-alle-blogbeitraege","blog-category-grundlagen","blog-category-sie-gestaltet-ki","blog-tag-ki-ethik","blog-tag-verzerrung-bias"],"acf":[],"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4253\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"blog-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog-category?post=4253"},{"taxonomy":"blog-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog-tag?post=4253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}