{"id":4079,"date":"2021-01-13T04:00:21","date_gmt":"2021-01-13T04:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/lamarr-institute.org\/blog\/wie-maschinen-lernen\/"},"modified":"2025-11-12T14:52:35","modified_gmt":"2025-11-12T14:52:35","slug":"wie-maschinen-lernen","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/wie-maschinen-lernen\/","title":{"rendered":"Wie lernen Maschinen?"},"content":{"rendered":"<p>Maschinelles Lernen und K\u00fcnstliche Intelligenz lassen sich aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegdenken. Als Technologie findet sie f\u00fcr uns wichtige Inhalte im Internet, navigiert uns durch den Stra\u00dfenverkehr, erkennt uns auf Bildern, und versteht unsere gesprochenen Befehle. In unserem Blog wollen wir neben Forschungsprojekten und Anwendungsf\u00e4llen auch die Grundlagen dieser neuartigen Technologie erl\u00e4utern. Lasst uns also zun\u00e4chst herausfinden, wie Maschinen \u00fcberhaupt lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Begriff des <b>Lernens <\/b>ist uns Menschen bereits bekannt: Ein Mensch lernt von Geburt an, und die F\u00e4higkeit des Lernens hat es der Menschheit erm\u00f6glicht, ihren heutigen Stand von Wissen, Technologie und gemeinschaftlichen Werten zu entwickeln. Lernen stellt eine der Grundbedingungen dar, um sich seiner Umwelt anpassen zu k\u00f6nnen: Beim Lernen ver\u00e4ndern wir unser Verhalten oder Denken auf der Basis von Erfahrung oder neuen Einsichten. Lernen ist insofern auch Kernvoraussetzung f\u00fcr intelligentes Leben. Wie aber kann man die F\u00e4higkeit zu Lernen auf eine Maschine, ein k\u00fcnstliches System, \u00fcbertragen? Wie l\u00e4sst sich also eine K\u00fcnstliche Intelligenz schaffen?<\/p>\n<p>Mit \u201ck\u00fcnstliches System\u201d ist hier ein <b>Computer <\/b>gemeint, also eine Maschine, welche Daten speichert und verarbeitet, indem zum Beispiel Berechnungen durchgef\u00fchrt werden. Computer sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens: Unser Smartphone dient als Kommunikationsweg, Bildschirme sind aus B\u00fcros nicht mehr wegzudenken, und die globale Logistik und Industrie sind fl\u00e4chendeckend digitalisiert. Die Rechen- und Speicherkraft moderner Computer ist immens: Um Millionen verschiedener Zahlen zu verrechnen, br\u00e4uchte ein Mensch wohl einige Wochen &#8211; ein Smartphone schafft dies im Bruchteil einer Sekunde.<\/p>\n<p>Lange Zeit f\u00fchrten Computer lediglich von Menschen vorgegebene Anweisungen durch und besa\u00dfen nicht die F\u00e4higkeit, zu abstrahieren oder gar autonom zu lernen. Computer konnten deswegen nur Aufgaben l\u00f6sen, die durch einfache Anweisungen, wie zum Beispiel Rechenschritte, beschrieben werden konnten. Die Forschung zum <b>Maschinellen Lernen<\/b> besch\u00e4ftigt sich deswegen mit der Frage, wie Computer das Bew\u00e4ltigen von komplexen Aufgaben erlernen k\u00f6nnen. Hier gab es viele Durchbr\u00fcche in den letzten Jahren, sodass einige augenscheinlich komplexe Aufgaben, zum Beispiel Gesichts-&nbsp; oder Spracherkennung, nun fast verl\u00e4sslich durch Computer gel\u00f6st werden. Wie aber kann ein Computer lernen?<\/p>\n<\/p>\n<h2><span style=\"font-size: 18pt;\">Daten als Grundlage des Lernens<\/span><\/h2>\n<p>Auch Maschinen lernen durch Erfahrung. Die Schwierigkeit ist also zun\u00e4chst, diese Erfahrung in Form von Daten f\u00fcr Computer zu repr\u00e4sentieren. Angelehnt an uns Menschen finden die meisten maschinellen Lernprozesse deswegen anhand von konkreten Beispielen statt. Diese sollen jedoch nicht nur vom Computer auswendig gelernt werden, er muss vielmehr komplexe Muster und Zusammenh\u00e4nge in den Daten erkennen und verstehen. In der Regel gibt es in den Daten eine konkrete, gemessene Gr\u00f6\u00dfe oder Eigenschaft, die durch das System vorhergesagt werden soll, das sogenannte <b>Label<\/b>. Es wurden jedoch auch Spezialformen des Maschinellen Lernens entwickelt, um verschieden ausgestalteten Datenlagen zu begegnen. Diese erm\u00f6glichen zum Beispiel das <a href=\"https:\/\/machinelearning-blog.de\/grundlagen\/welche-arten-von-maschinellem-lernen-gibt-es\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lernen aus Daten ohne Labels<\/a>, oder das <a href=\"https:\/\/machinelearning-blog.de\/grundlagen\/intelligenter-labeln-mit-aktivem-lernen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktive Abfragen der Daten<\/a> im Verlauf des Lernprozesses.<\/p>\n<p>Ein einfaches Beispiel: Es soll ein System entworfen werden, welches anhand einiger Eigenschaften ein Tier entweder als Hund oder als Katze identifiziert (rechte Spalte). Es liegen einige Beispiele vor, aber nat\u00fcrlich m\u00fcssen auch Tiere unterschieden werden k\u00f6nnen, die von diesen Beispielen abweichen.<\/p>\n<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/\/Tabelle_Wie_lernen_Maschinen-1024x210.png\" alt=\"- Lamarr Institute for Machine Learning (ML) and Artificial Intelligence (AI)\" class=\"wp-image-24407\" title=\"\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 ML2R<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Vorhersage werden die vorhandenen Informationen im Computer mathematisch und statistisch verarbeitet. Im Maschinellen Lernen werden diese Rechenabl\u00e4ufe flexibel entworfen, damit sich das System an die vorhandenen Daten anpassen kann. Die Stellschrauben dieser Systemabl\u00e4ufe bezeichnet man als <strong>Parameter<\/strong>. Unter <strong>Training<\/strong> versteht man dann die schrittweise Ver\u00e4nderung der Parameter mit dem Ziel, dass das System die Aufgabe immer besser l\u00f6sen kann. F\u00fcr das Training werden <strong>Algorithmen<\/strong>, also bestimmte Folgen von Rechenschritten, genutzt. Die Gesamtheit der Parameter und ihrer Zusammenh\u00e4nge wird oft als <strong>Modell<\/strong> bezeichnet, da es gewisserma\u00dfen die Trainingsdaten modelliert. Es gibt viele unterschiedliche Klassen von Modellen, die jeweils auch eigene Algorithmen zum Training mit sich bringen. Zu den bekanntesten Methoden z\u00e4hlen <strong>Regressionen<\/strong>, <strong>Entscheidungsb\u00e4ume<\/strong>, <strong>Random Forests<\/strong>, <strong>Support Vector Machines<\/strong>, <strong>k\u00fcnstliche neuronale Netze<\/strong>, und <strong>Probabilistische Graphische Modelle, <\/strong>insbesondere auch weil sie verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach zu benutzen sind<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In unserem angebrachten Beispiel k\u00f6nnte beispielsweise ein Parameter steuern, dass Tiere mit einem Gewicht \u00fcber 10 Kilogramm als Hunde klassifiziert werden, da kein gegenteiliger Fall in den Daten zu finden ist. Zu Beginn des Trainings w\u00fcrde dieser Parameter zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt werden, und sich dann im Verlauf des Lernprozesses zunehmend einem sinnvollen Wert ann\u00e4hern. Mithilfe von mehr Parametern lassen sich hier die Daten noch besser unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Optimierung und Validierung<\/h2>\n\n\n\n<p>Um das Modell schrittweise zu verbessern, muss man seine G\u00fcte bestimmen. Daf\u00fcr kann man zum Beispiel die Aufgabe f\u00fcr die vorliegenden Trainingsdaten durch das Modell l\u00f6sen lassen, und untersuchen, ob die vorhergesagten Labels mit den echten Labels \u00fcbereinstimmen. Die mathematische Definition dieser Idee bezeichnet man in der Regel als <strong>Zielfunktion<\/strong>, die abh\u00e4ngig ist von den Parametern und beobachteten Daten. Mithilfe von mathematischer <a href=\"https:\/\/machinelearning-blog.de\/grundlagen\/optimierung-im-maschinellen-lernen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Optimierung<\/strong><\/a> lassen sich dann die Parameter basierend auf der Zielfunktion schrittweise verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein fertig trainiertes Modell kann man nun nutzen, um Vorhersagen f\u00fcr Daten zu machen, bei denen das Label unbekannt ist. Wie kann man jedoch die G\u00fcte f\u00fcr unbekannte Daten bestimmen, oder gar zwei trainierte Modelle miteinander vergleichen? Diese Fragen sind der Grund, warum die vorliegenden Daten mit Label in der Regel in <strong>Trainings- <\/strong>und <strong>Testdaten <\/strong>unterteilt werden. Die Trainingsdaten werden lediglich genutzt, um das Modell zu trainieren. Anschlie\u00dfend wird das Modell auf die Testdaten angewendet, f\u00fcr die ebenfalls Labels vorhanden sind. Diese Daten wurden im Training nicht verwendet und geben deshalb Hinweis auf die G\u00fcte des Modells f\u00fcr unbekannte Daten. Man bezeichnet diesen Prozess als <strong>Validierung. <\/strong>In der unten stehenden Grafik sind die Teilschritte im Maschinellen Lernen noch einmal \u00fcberschaubar zusammengefasst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1976\" height=\"710\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/Pipeline.gif\" alt=\"- Lamarr Institute for Machine Learning (ML) and Artificial Intelligence (AI)\" class=\"wp-image-13210\" title=\"\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 ML2R<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit sind nun einige wichtige, grundlegende Aspekte des Maschinellen Lernens erl\u00e4utert. Ihr Interesse f\u00fcr Fragen rund um Technologien und Themen des Maschinellen Lernens und der K\u00fcnstlichen Intelligenz wurde geweckt? Verfolgen Sie auch weiterhin den Blog des Kompetenzzentrums Maschinelles Lernen Rhein-Ruhr (ML2R). Ob Anwender oder Experte, die Forscher*innen des Kompetenzzentrums geben ihre Expertise weiter. Lesen Sie zum Beispiel Beitr\u00e4ge mit der Kennzeichnung \u201cGrundlagen\u201d, um Wissen im Bereich maschineller Lernverfahren systematisch aufzubauen. Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Nehmen Sie gern <a href=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/kontakt\/\" target=\"_blank\" data-type=\"URL\" data-id=\"Kontakt\" rel=\"noreferrer noopener\">Kontakt<\/a> mit dem ML2R-Team auf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maschinelles Lernen ist l\u00e4ngst zum festen Bestandteil unserer Welt geworden, sie ver\u00e4ndert unser Leben und die Gesellschaft. 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