{"id":4061,"date":"2021-01-20T08:10:47","date_gmt":"2021-01-20T08:10:47","guid":{"rendered":"https:\/\/lamarr-institute.org\/blog\/wenn-mikrochips-lernen\/"},"modified":"2025-11-12T14:52:34","modified_gmt":"2025-11-12T14:52:34","slug":"wenn-mikrochips-lernen","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/wenn-mikrochips-lernen\/","title":{"rendered":"Wenn Mikrochips Lernen lernen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mikrochips sind die zentralen Bauteile, aus denen alle modernen Computer bestehen. Sie begegnen uns nicht nur in Form von Prozessoren in PCs, an denen wir arbeiten, schreiben und surfen, sondern stecken auch in Waschmaschinen, K\u00fchlschr\u00e4nken und Autos. Ohne sie w\u00fcrden die meisten Ger\u00e4te des Alltagsgebrauchs gar nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt funktionieren. Darum hat die st\u00e4ndige Entwicklung und Weiterentwicklung anwendungsspezifischer Mikrochips direkte Auswirkungen auf unser Leben. Mikrochips, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr eine spezielle Aufgabe gebaut werden, hei\u00dfen <i>Application-Specific Integrated Circuits<\/i> (ASICs). Sie bestehen aus winzigen, einfachen Grundbausteinen, die auf kleinstem Raum zusammengeschaltet sind und im Zusammenspiel komplexe Funktionen ausf\u00fchren k\u00f6nnen. Ihre gro\u00dfe St\u00e4rke liegt darin, dass sie klein, schnell und verl\u00e4sslich sind, und dass sie wenig Strom brauchen, um zu funktionieren. Ein Nachteil an ihnen ist allerdings, dass sie, einmal gebaut, nicht mehr ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen: Wurde ein Mikrochip auf eine Platine gel\u00f6tet oder ge\u00e4tzt, tut er immer das gleiche. Um neue Funktionen hinzuzuf\u00fcgen oder etwas zu \u00e4ndern oder zu verbessern, muss der gesamte Chip neu gebaut werden. Das ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Forschung w\u00e4re es praktisch, sich die positiven Eigenschaften von Mikrochips zunutze zu machen, denn durch ihre hohe Geschwindigkeit k\u00f6nnen sie Daten effektiv verarbeiten und Verfahren schnell ausf\u00fchren. Doch da sich ebendiese Verfahren in der Entwicklung befinden, lohnt es sich finanziell und zeitlich kaum, f\u00fcr jede kleine \u00c4nderung, die ein Forscher ausprobieren m\u00f6chte, einen neuen Mikrochip zu bauen. Daher findet die Entwicklung dieser Verfahren vornehmlich an gew\u00f6hnlichen Computern statt, die etwas langsamer sind und viel mehr Strom verbrauchen, da der Prozessor die gesamte Benutzeroberfl\u00e4che und viele Hintergrundprozesse steuern muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span style=\"font-size: 24pt;\"><span style=\"font-size: 18pt;\">FPGAs \u2013 eine echte Alternative<\/span><br><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine vielversprechende Alternative zu ASICs sind <i>Field-Programmable Gate Arrays<\/i> (FPGAs). Dabei handelt es sich um eine spezielle Art von Mikrochips, die so gebaut sind, dass ihre Bauteile nicht \u201ein Stein gemei\u00dfelt\u201c sind, sondern immer wieder neu und anders zusammengeschaltet werden k\u00f6nnen. Forscher*innen k\u00f6nnen einen Schaltplan erstellen, wie er auch einem echten ASIC zugrunde liegt. Doch anstatt einen echten ASIC bauen zu lassen, k\u00f6nnen sie ihn einfach auf einen FPGA laden, der die beschriebene Schaltung dann sofort ausf\u00fchrt. Dadurch ist es m\u00f6glich, Schaltpl\u00e4ne laufend zu verbessern und immer wieder ohne gro\u00dfen Aufwand zu testen. Dieses Vorgehen ist nicht nur wesentlich schneller als der Bau mehrerer Versionen eines ASICs, sondern schont gleichzeitig Umweltressourcen und den Geldbeutel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">FPGAs eignen sich auch zur direkten Verwendung anstelle von ASICs: Wird ein FPGA in einem Auto verbaut, ist es m\u00f6glich, im Nachhinein Aktualisierungen und Verbesserungen, z.B. neue Versionen von Fahrassistenzsystemen, auf den FPGA zu laden, ohne die Hardware komplett austauschen zu m\u00fcssen. Dieser Eigenschaft verdankt der FPGA seinen Namensteil <i>field-programmable<\/i>, sprich \u201eim Feld\u201c \u2013 also dem finalen Einsatzgebiet \u2013 programmierbar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/FireShot-Capture-029-Wenn-Mikrochips-Lernen-lernen-Google-Docs-docs.google.com_.jpg\" alt=\"- Lamarr Institute for Machine Learning (ML) and Artificial Intelligence (AI)\" class=\"wp-image-24454\" title=\"\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Sascha M\u00fccke, TU Dortmund<br>Dies ist ein FPGA-Board der Reihe Kintex von Xilinx. Der eigentliche FPGA ist ein quadratischer Chip, welcher unter dem L\u00fcfter verbaut ist.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">FPGAs f\u00fcr Maschinelles Lernen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">FPGAs kommen bereits in den Bereichen Automobil, Video- und Audioverarbeitung sowie Medizin zum Einsatz. Auch f\u00fcr das Maschinelle Lernen bergen FPGAs mit ihrer Leistungsf\u00e4higkeit und Flexibilit\u00e4t gro\u00dfes Potenzial. So k\u00f6nnen sie Messungen in Echtzeit auswerten, indem sie diese mit Modellen wie K\u00fcnstlichen Neuronalen Netzwerken klassifizieren. Dank ihres geringen Energieverbrauchs von h\u00e4ufig unter 1 Watt und ihrer hohen Verarbeitungsgeschwindigkeit eignen sie sich besonders gut zum Einsatz direkt am Ort, wo Daten entstehen, und wo wenig Platz oder Strom zur Verf\u00fcgung steht. Auch k\u00f6nnen sie Verfahren erheblich beschleunigen, die auf normalen Rechnern zu langsam sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Vorteile machte sich ein Forscherteam des ML2R zunutze. Die Forschenden entwickelten ein FPGA-basiertes System, das eine Klasse von Optimierungsproblemen (QUBO) schnell und mit einem geringen Ressourcenverbrauch l\u00f6sen kann. Optimierungsprobleme bilden die Grundlage des Maschinellen Lernens. Hierbei wird aus vielen m\u00f6glichen L\u00f6sungen diejenige gesucht, die nach einem festgelegten Kriterium die Beste ist. Aufgrund der Vielzahl m\u00f6glicher L\u00f6sungen, die durchsucht werden m\u00fcssen, w\u00fcrde ein normaler Computer oder gar ein Mensch theoretisch tausende von Jahren zur L\u00f6sung ben\u00f6tigen. Durch den Einsatz von FPGAs war es m\u00f6glich, einen spezialisierten Algorithmus zu verwenden, der das QUBO-Problem l\u00f6sen kann und dabei nur 1,5 Watt verbraucht. Das Forscherteam hat somit ein vielseitig einsetzbares Werkzeug entwickelt, das etliche maschinelle Lernverfahren beschleunigen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mikrochips und insbesondere FPGAs bieten eine interessante Plattform f\u00fcr Maschinelles Lernen, weil sie schnell, verl\u00e4sslich und energieeffizient sind. Die Erforschung von Methoden, die klein genug sind, um auf Mikrochips zu passen, und dennoch schnell sind und garantiert korrekte und gute Ergebnisse liefern, ist ein wichtiges Themengebiet des Kompetenzzentrums ML2R. Die Integrierung dieser Technologie in unseren Alltag tr\u00e4gt dazu bei, dass maschinelles Lernen Einzug in unsere Alltagsger\u00e4te h\u00e4lt und unser Leben auch in Zukunft immer weiter vereinfacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr Informationen in den zugeh\u00f6rigen Publikationen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Learning Bit by Bit: Extracting the Essence of Machine Learning<\/strong><br>Sascha M\u00fccke, Nico Piatkowski, Katharina Morik<strong>,<\/strong> Proceedings der Konferenz &#8222;Lernen, Wissen, Daten, Analysen&#8220; (LWDA), 2019 <a href=\"http:\/\/ceur-ws.org\/Vol-2454\/paper_51.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikrochips wie ASICs sind klein, schnell und energiesparend. Vor allem FPGAs sind dar\u00fcber hinaus sehr flexibel, da sie neu programmierbar sind. 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