{"id":26983,"date":"2025-10-29T10:24:36","date_gmt":"2025-10-29T10:24:36","guid":{"rendered":"https:\/\/lamarr-institute.org\/?post_type=blog&#038;p=26983"},"modified":"2025-11-12T14:53:10","modified_gmt":"2025-11-12T14:53:10","slug":"lagerlayout-mit-ki","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/lagerlayout-mit-ki\/","title":{"rendered":"Von der Handskizze zum digitalen Lagerlayout: KI-gest\u00fctzte Verarbeitung im WarehouseDesigner\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mehrere Monate Planungszeit, hohe Kosten, nur wenige vergleichbare Varianten<\/strong> \u2013 die Konzeptplanung moderner Lagersysteme st\u00f6\u00dft an ihre Grenzen. W\u00e4hrend Expertenwissen in Handskizzen und fragmentierten Dokumenten schlummert, w\u00e4chst der Druck: volatile Lieferketten, k\u00fcrzere Lieferzeiten, immer komplexere Automatisierungstechnologien. Der WarehouseDesigner automatisiert den ersten kritischen Schritt dieses Prozesses: Er erfasst Blocklayout-Skizzen per KI-gest\u00fctzter Computer Vision und generiert daraus in Sekunden optimierte, regelkonforme Lagerlayouts \u2013 ein entscheidender Schritt hin zu einer effizienteren Lagerplanung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Herausforderung: Warum Lagerplanung heute an Grenzen st\u00f6\u00dft<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Lagerplanung moderner Lagersysteme folgt einem mehrstufigen Prozess: Nach der Analyse planungsrelevanter Daten und Prozesse folgt die Konzeptplanung, in der aus einem gro\u00dfen L\u00f6sungsraum m\u00f6glicher Technik- und Layoutvarianten jene ausgew\u00e4hlt werden, die Anforderungen und Zielfunktionen wie Kosten oder Fl\u00e4chenbedarf am besten erf\u00fcllen. Anschlie\u00dfend erfolgen Feinplanung, Ausschreibung, Realisierung und Betrieb.<br>Der Gesamtprozess dauert je nach Komplexit\u00e4t mehrere Monate bis Jahre und bindet erhebliche personelle wie finanzielle Ressourcen.<strong> Eines der Kernprobleme liegt in der Konzeptphase:<\/strong> Es handelt sich um ein schlecht strukturiertes Entscheidungsproblem, also ein komplexes Problem ohne klar definierte L\u00f6sungen, bei dem der L\u00f6sungsprozess stark von dem Expertenwissen einzelner Fachleute abh\u00e4ngt.<br>In der Folge werden h\u00e4ufig nur wenige Varianten aus dem gesamten L\u00f6sungsraum betrachtet \u2013 meist jene, die auf den Erfahrungen der beteiligten Personen beruhen. Hinzu kommt die <strong>fragmentierte Datenlage<\/strong>: Relevante Informationen sind auf Tabellen, Pr\u00e4sentationen, Layoutpl\u00e4ne, Dokumente und E-Mails verteilt. Diese Medienbr\u00fcche erh\u00f6hen den Planungsaufwand und verhindern, dass Wissen aus fr\u00fcheren Projekten systematisch genutzt werden kann.<br>Gleichzeitig steigt der externe Druck: Globale Lieferketten werden volatiler, Kund*innen erwarten k\u00fcrzere Lieferzeiten, und die Vielfalt moderner Automatisierungstechnologien macht die digitale Lagerplanung zugleich anspruchsvoller. Konventionelle Methoden sto\u00dfen an ihre Grenzen \u2013 sie sind aufwendig, teuer und k\u00f6nnen nur eine begrenzte Zahl an Alternativen vergleichen.<a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Projektvision: Vom Papier zur digitalen Planung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Projekt <strong>WarehouseDesigner<\/strong> adressiert diese Herausforderungen und geht einen ersten Schritt zur Automatisierung der Konzeptphase der Lagerplanung. In dieser Phase entstehen Lagerlayouts h\u00e4ufig zun\u00e4chst auf Papier oder als einfache digitale Skizzen, sogenannte Blocklayouts. Der WarehouseDesigner erfasst diese Skizzen mit KI-basierter Computer Vision und \u00fcberf\u00fchrt sie automatisiert in eine strukturierte digitale Form.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/3-4.png\" alt=\"Die 4 Hauptschritte des Workflows des WarehouseDesigners \" class=\"wp-image-27140\" style=\"width:1200px;height:auto\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/3-4.png 1200w, https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/3-4-300x150.png 300w, https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/3-4-1024x512.png 1024w, https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/3-4-768x384.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sub>Abbildung 1 Workflow im WarehouseDesigner: Der Workflow l\u00e4uft \u00fcber vier wesentliche Schritte ab: Das Zeichnen des Lagerlayouts in einem Canvas (1), oder Hochladen von fotografierten Layouts. Das \u00dcberpr\u00fcfen des von der Vision-Pipeline erkannten Layouts (2), die Generierung optimierter Lagerlayouts und Darstellung dieser (3) und zuk\u00fcnftig die 3D-Visualisierung der generierten Lagerlayouts (4). Copyright Fraunhofer IML (1-3), <a href=\"https:\/\/docs.isaacsim.omniverse.nvidia.com\/4.2.0\/features\/environment_setup\/assets\/usd_assets_environments.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nvidia Omniverse<\/a> (4) <\/sub><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a>Abbildung 1 zeigt die Funktionsweise auf einen Blick:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Zeichnen oder Hochladen<\/strong>: Blocklayouts werden grob manuell aufgezeichnet \u2013 entweder direkt im Canvas oder als fotografierte Skizzen hochgeladen. Dabei werden Funktionsbereiche (z. B. Wareneingang, Palettenlager) benannt und optional mit Kapazit\u00e4ten sowie den Abmessungen des Lagergeb\u00e4udes versehen.<br><strong>2. Automatische Erkennung<\/strong>: Die Vision-Pipeline extrahiert alle relevanten Informationen aus der Skizze und bringt sie in eine strukturierte Datenform. Planer k\u00f6nnen das Ergebnis pr\u00fcfen und bei Bedarf korrigieren.<br><strong>3. Layout-Generierung<\/strong>: Ein genetischer Algorithmus platziert die Funktionsbereiche regelkonform innerhalb der Lagerma\u00dfe, dimensioniert sie anhand der Vorgaben und f\u00fcllt sie mit geeigneten Technologien. Das System generiert optimierte Varianten, die Zielfunktionen wie Fl\u00e4cheneffizienz oder in Zukunft auch kurze Wegebeziehunge<a>n<\/a>&nbsp;ber\u00fccksichtigen.<br><strong>4. Visualisierung und Export<\/strong>: Die generierten Layouts werden zweidimensional dargestellt und sind als CAD-Dateien exportierbar. K\u00fcnftig folgt auch eine dreidimensionale Visualisierung. Planer k\u00f6nnen die Layouts als Basis f\u00fcr die Feinplanung verwenden oder weiter anpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Beschleunigung der Variantenerstellung und -layoutierung in der Konzeptplanungsphase schafft der WarehouseDesigner so eine strukturierte Datenbasis, die k\u00fcnftig f\u00fcr Recommender-Systeme genutzt werden kann. In der Weiterentwicklung wird unter anderem die Unterst\u00fctzung von Planungen in bestehenden Lagern verfolgt sowie die Integration von Materialflussanalysen in die Platzierung der Funktionsbereiche \u2013 ein wichtiger Beitrag f\u00fcr die Automatisierung der Lagerplanung und die Nutzung existierenden Expertenwissens.<a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Technischer Kern: Die Vision-Pipeline<\/h2>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/computer-vision\/\">KI-basierte Vision<\/a>-Pipeline&nbsp;erkennt automatisch Funktionsbereiche und Text in Skizzen und strukturiert diese Informationen f\u00fcr die weitere Verarbeitung. Damit legt sie den Grundstein f\u00fcr eine pr\u00e4zise, datenbasierte Lagerplanung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was wird extrahiert?<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Pipeline erfasst drei zentrale Informationstypen:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Funktionsbereiche<\/strong> mit rechteckiger Abgrenzung<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Typ und Meta-Informationen<\/strong> innerhalb der Bereiche (z.B. Wareneingang, Palettenlager; Kapazit\u00e4t oder Zielgr\u00f6\u00dfe)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gesamtausdehnung des Lagers<\/strong> anhand der Au\u00dfenkanten sowie dessen Ma\u00dfe<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Diese Meta-Informationen sind entscheidend f\u00fcr die anschlie\u00dfende automatische Dimensionierung der Fl\u00e4chen. Aktuell kann entweder eine Kapazit\u00e4t oder eine gew\u00fcnschte Zielfl\u00e4che angegeben werden. Die Option der Zielfl\u00e4che ist hilfreich, da Skizzen nicht ma\u00dfstabsgetreu sein m\u00fcssen. Fehlen numerische Angaben, berechnet das System des WarehouseDesigners die relative Gr\u00f6\u00dfe im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtfl\u00e4che und den angegebenen Ma\u00dfen des Gesamtlagers.<a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technische Umsetzung<\/h3>\n\n\n\n<p>Aufgrund der Komplexit\u00e4t bei der Layout-Generierung in der Lagerplanung arbeitet die Pipeline aktuell mit rechteckbasierten Funktionsbereichen. Das erm\u00f6glicht den effizienten Einsatz eines Object-Detection-Modells zur Erkennung der Bereiche und schafft die Grundlage, Layouts automatisiert zu analysieren und zu optimieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 2 veranschaulicht diesen mehrstufigen Prozess vom Bild bis zur strukturierten Datenstruktur<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1101\" height=\"1157\" src=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/WHD-Vision-Pipeline.png\" alt=\"- Lamarr Institute for Machine Learning (ML) and Artificial Intelligence (AI)\" class=\"wp-image-27186\" style=\"width:1200px;height:auto\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/WHD-Vision-Pipeline.png 1101w, https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/WHD-Vision-Pipeline-285x300.png 285w, https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/WHD-Vision-Pipeline-974x1024.png 974w, https:\/\/lamarr-institute.org\/wp-content\/uploads\/WHD-Vision-Pipeline-768x807.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1101px) 100vw, 1101px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 2: Workflow der Vision-Pipeline: Ausgehend von einer Skizze eines Blocklayouts werden parallel Funktionsbereiche und Text erkannt. Anschlie\u00dfend erfolgt eine Named Entity Recognition und erzeugt aus den einzelnen Text-Schnipseln strukturierte Datenobjekte, die in einem weiteren Schritt zu den erkannten Funktionsbereichen zugeordnet werden.  \u00a9  Fraunhofer IML<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>1. Parallele Erkennung<\/strong>: Ein <a href=\"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/blog\/object-detection\/\">Object-Detection-Modell<\/a> identifiziert die Funktionsbereiche, w\u00e4hrend ein anderes Modell Textregionen mit handschriftlichem oder digitalem Text erkennt.<br><strong>2. Handschrifterkennung<\/strong>: Die erkannten Textregionen werden einem Vision-Language-Model (VLM) \u00fcbergeben, das die Handschrift transkribiert.<br><strong>3. Zuordnung<\/strong>: Erkannte Texte (Titel und Meta-Informationen) werden anhand ihrer Position den entsprechenden Funktionsbereichen zugeordnet. Textregionen an Au\u00dfenkanten bestimmen die Lagerma\u00dfe.<br><strong>4. Named Entity Recognition<\/strong>: Die einem Funktionsbereich zugeordneten Texte werden aggregiert und einem Sprachmodell \u00fcbergeben. Dieses extrahiert per<a> <\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Named-entity_recognition\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Named Entity Recognition<\/a>&nbsp; die relevanten Informationen: Titel, Gr\u00f6\u00dfe, Kapazit\u00e4t und deren Einheiten.<br>&nbsp;Das Ergebnis ist eine digitale Repr\u00e4sentation aller Funktionsbereiche mit zugeh\u00f6rigen Informationen, welche die Grundlage f\u00fcr automatisierte Workflows in der Lagerplanung bildet und es erlaubt, Layouts k\u00fcnftig datengetrieben zu entwickeln und zu vergleichen.<br>Nach und nach sollen sowohl die geometrischen Formen der Funktionsbereiche als auch deren Meta-Informationen komplexer werden, um den Planungsprozess zu verbessern und die Lagerplanung Schritt f\u00fcr Schritt weiter zu digitalisieren.<a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Layout-Generierung: Von der Skizze zum optimierten Layout<\/h2>\n\n\n\n<p>Nachdem die Vision-Pipeline das gezeichnete Layout erkannt hat und Planer*innen es im Frontend validiert haben, k\u00f6nnen daraus optimierte Layout-Varianten generiert werden.&nbsp; Dieser Schritt bildet den Kern einer datengetriebenen Lagerplanung, bei der Varianten systematisch verglichen und bewertet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Herausforderungen<a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Zwischen Handskizze und nutzbarem Layout liegen zahlreiche Nebenbedingungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Fl\u00e4chen d\u00fcrfen sich nicht \u00fcberlappen<\/li>\n\n\n\n<li>Alle Bereiche m\u00fcssen ins Geb\u00e4ude passen<\/li>\n\n\n\n<li>Bestimmte Bereiche (Wareneingang\/-ausgang) brauchen Au\u00dfenwandkontakt<\/li>\n\n\n\n<li>Verbundene Bereiche sollten kurze Wege haben<\/li>\n\n\n\n<li>Zielgr\u00f6\u00dfen (Kapazit\u00e4t, m\u00b2) sollen erreicht und eingehalten&nbsp;werden<\/li>\n\n\n\n<li>M\u00f6glichst wenig Restfl\u00e4che soll \u00fcbrigbleiben<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Balance manuell zu erreichen, erfordert viele Iterationen und sorgf\u00e4ltige Detailarbeit in der CAD-Software. Ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Evolution%C3%A4rer_Algorithmus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">genetischer Algorithmus<\/a> kann solche Iterationen automatisch berechnen und in Sekunden aus hunderten Entw\u00fcrfen eine machbare, gut balancierte L\u00f6sung identifizieren, was einen erheblichen Effizienzgewinn in der Konzeptphase der Lagerplanung bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zweistufiger Ansatz<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>1. Kapazit\u00e4tsdimensionierung<\/strong>: Das System berechnet Minimalabmessungen, die die geforderte Kapazit\u00e4t mit realistischen Parametern (Gangbreiten, Regalgassen, Bedienflure) aufnehmen. Vorhandene Zielfl\u00e4chen werden als Ober- oder Untergrenzen respektiert. Ziel ist die maximale Nutzung der verf\u00fcgbaren Fl\u00e4che.<br><strong>2. R\u00e4umliche Anordnung<\/strong>: : Mit diesen Startma\u00dfen platziert der Optimierer alle Bereiche innerhalb der Geb\u00e4udeh\u00fclle regelkonform und unter Ber\u00fccksichtigung der Qualit\u00e4tskriterien wie Wegebeziehungen, Kompaktheit und Restfl\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Funktionsweise: Evolution im Rechner<\/h2>\n\n\n\n<p>Der genetische Algorithmus l\u00e4sst viele Layout-Kandidaten parallel &#8222;gegeneinander antreten&#8220; und kombiniert die besten Eigenschaften \u00fcber mehrere Generationen hinweg. Statt eine einzige L\u00f6sung schrittweise zu verbessern, arbeitet der Algorithmus mit vielen unterschiedlichen Layout-Kandidaten gleichzeitig. <br>Jeder Kandidat beschreibt vollst\u00e4ndig, wo welche Funktionsbereiche liegen, wie gro\u00df sie sind, welche Ausrichtung sie haben und ob spezielle Anker wie Au\u00dfenwandkontakt bestehen. Das sind die &#8222;Gene&#8220; einer Layoutvariante, , also genau jene Parameter, die f\u00fcr eine strukturierte Lagerplanung entscheidend sind.<br><strong>1. Startpopulation<\/strong>: Das System erzeugt eine vielf\u00e4ltige Menge an Ausgangsl\u00f6sungen. Diese Vielfalt verhindert, dass alle Vorschl\u00e4ge in dieselbe Richtung driften.<br><strong>2. Bewertung (Fitness)<\/strong>: Jeder Kandidat wird bewertet. Unzul\u00e4ssige Zust\u00e4nde, wie sich schneidende Fl\u00e4chen oder Bereiche au\u00dferhalb des Geb\u00e4udes, erhalten sehr hohe Strafkosten und haben keine Chance auf die n\u00e4chste Runde. Zugleich werden weiche Ziele bewertet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wie gut passen die Fl\u00e4chen zu ihren Zielgr\u00f6\u00dfen?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie nah liegen h\u00e4ufig interagierende Bereiche?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie kompakt ist das Gesamtbild?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie wenig Restfl\u00e4che bleibt \u00fcbrig?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Bewertung erm\u00f6glicht es, praktikable Entw\u00fcrfe zu erkennen, die funktional und effizient zugleich sind und damit eine wichtige Grundlage f\u00fcr planungssichere Lagerlayouts bilden. <br><strong>3. Auswahl (Turnierprinzip)<\/strong>: Mehrere Kandidaten treten gegeneinander an, die besten setzen sich durch.<br><strong>4. Kombination (Crossover)<\/strong>: Erfolgreiche Teilideen werden gemischt, wie zum Beispiel eine kluge Dock-Position aus dem einen Layout mit einer besonders kompakten Lagerblock-Anordnung aus einem anderen.<br><strong>5. Mutation<\/strong>: : Kleine, gezielte Ver\u00e4nderungen, wie minimale Anpassungen von Positionen oder Abmessungen, halten die Suche flexibel und verhindern, dass das System in lokalen Optima stecken bleibt.<br><strong>6. Exploration vs. Exploitation<\/strong>: Die besten Varianten werden unver\u00e4ndert in die n\u00e4chste Generation \u00fcbernommen. Wenn die Vielfalt abnimmt, erzeugt das System des WarehouseDesigners gezielt neue Alternativen, um den Suchraum wieder zu erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach mehreren Dutzend Generationen entsteht ein ausgewogenes, regelkonformes Layout, das die Platzierung von Technologien in den Funktionsbereichen einbezieht. Eine abschlie\u00dfende lokale Nachbesserung gl\u00e4ttet Kanten, richtet Rechtecke am Raster aus und reduziert kleine Restinseln, ohne harte Regeln zu verletzen.<br><br>Das Resultat ist ein Layout, das Skizzenvorgaben respektiert, Wegebeziehungen ber\u00fccksichtigt und Fl\u00e4chen effizient nutzt. Dadurch entsteht eine fundierte Grundlage, auf der sich die weitere Lagerplanung pr\u00e4zise und zeiteffizient aufbauen l\u00e4sst \u2013 etwa f\u00fcr CAD-Exporte, 3D-Visualisierungen oder Detailplanungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausblick: N\u00e4chste Entwicklungsschritte<\/h2>\n\n\n\n<p>Der WarehouseDesigner wird kontinuierlich weiterentwickelt \u2013 sowohl in seiner Anwendung f\u00fcr die Praxis als auch in den zugrunde liegenden KI-Methoden. Ziel ist es, die Lagerplanung von einer zeitintensiven, stark erfahrungsbasierten T\u00e4tigkeit zu einem datengetriebenen, interaktiven Prozess zu transformieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erweiterte Funktionen f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p>In der n\u00e4chsten Entwicklungsphase wird der WarehouseDesigner um eine i<strong>nteraktive 3D-Visualisierung <\/strong>erg\u00e4nzt. Damit k\u00f6nnen Layout-Varianten fr\u00fchzeitig und anschaulich dargestellt werden, sodass Planerinnen und Planer bereits in fr\u00fchen Konzeptphasen gezieltes Kundenfeedback einholen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem wird die Bewertung von Layouts k\u00fcnftig auch <strong>Materialfluss, F\u00f6rdertechniken und Leistungsgrenzen <\/strong>ber\u00fccksichtigen.Dadurch lassen sich Engp\u00e4sse und ineffiziente Wege bereits w\u00e4hrend der Konzeptplanung erkennen und vermeiden. Ein weiterer Entwicklungsschritt sind der Aufbau eines <strong>kuratierten Variantenportfolio: <\/strong>Statt einer einzigen \u201ebesten\u201c L\u00f6sung generiert der WarehouseDesigner gezielt Alternativen entlang unterschiedlicher Zielfunktionen \u2013 etwa minimale Fl\u00e4che, maximale Skalierbarkeit, kurze Wege oder geringe Investitionskosten. Dadurch k\u00f6nnen Zielkonflikte in der Lagerplanung transparenter gemacht und Entscheidungen fundierter getroffen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Forschungsperspektiven: Potenziale f\u00fcr zuk\u00fcnftige Entwicklungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Auf Basis der bisherigen Ergebnisse er\u00f6ffnen sich mehrere spannende Forschungsperspektiven, die den WarehouseDesigner langfristig erweitern k\u00f6nnten. Diese Themen markieren m\u00f6gliche n\u00e4chste Schritte, um die Leistungsf\u00e4higkeit und Anwendungsbreite KI-gest\u00fctzter Lagerplanung weiter auszubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu z\u00e4hlen neue Ans\u00e4tze zur robusten <strong>Geometrie-Erkennung, <\/strong>mit denen k\u00fcnftig auch unregelm\u00e4\u00dfige Lagerstrukturen, zum Beispiel L-Formen oder Schr\u00e4gen, oder bestehende Geb\u00e4ude (Brownfield-Planung) pr\u00e4zise erfasst werden k\u00f6nnen. Zuverl\u00e4ssiges Erkennen und Abbilden nicht-rechteckiger Fl\u00e4chen in der Vision-Pipeline und deren Modellierung und Ber\u00fccksichtigung in der Optimierung w\u00fcrden die Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Anwender weiter steigern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ebenso bietet der Einsatz von Reinforcement Learning interessante M\u00f6glichkeiten, das System durch Nutzerfeedback<\/strong> zu verbessern \u2013 etwa indem es lernt, welche Layouts in der Praxis als besonders effizient bewertet werden. Nicht alle Qualit\u00e4tskriterien lassen sich in mathematischen Zielfunktionen ausdr\u00fccken. Erfahrene Planerinnen und Planer verf\u00fcgen oft \u00fcber ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, welche Layouts &#8222;gut&#8220; sind, doch dieses implizite Wissen ist schwer zu formalisieren. Indem das System iterativ aus Nutzerbewertungen lernt, k\u00f6nnen Parameter der Zielfunktionen automatisch angepasst werden. Auf diese Weise wird der WarehouseDesigner im Laufe der Zeit besser darin, Layouts zu generieren, die nicht nur technisch optimal sind, sondern auch den spezifischen Pr\u00e4ferenzen und Erfahrungswerten der Anwender*innen entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die<strong> Wissensnutzung aus Projektdaten<\/strong> birgt gro\u00dfes Potenzial: Erfahrungswissen aus fr\u00fcheren Planungen, CAD-Zeichnungen oder Prozessmodellen k\u00f6nnte systematisch in Recommender-Systeme einflie\u00dfen Damit lie\u00dfen sich k\u00fcnftige Planungen gezielt auf bew\u00e4hrte L\u00f6sungen aufbauen \u2013 ein wichtiger Schritt hin zu einer lernenden, datenbasierten Lagerplanung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Weg nach vorne<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Alle Entwicklungen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Lagerplanung effizienter, transparenter und zug\u00e4nglicher zu gestalten. Der WarehouseDesigner soll Fachplanerinnen und Fachplaner entlasten, den L\u00f6sungsraum erweitern und Entscheidungsprozesse durch datenbasierte Variantenvergleiche fundierter machen<\/p>\n\n\n\n<p>Der WarehouseDesigner befindet sich derzeit in aktiver Entwicklung am Fraunhofer IML. Interessierte Unternehmen und Forschungspartner sind eingeladen, sich mit den Autor*innen des Beitrags in Verbindung zu setzen, um gemeinsam die n\u00e4chste Generation der Lagerplanung mitzugestalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KI ver\u00e4ndert die Lagerplanung: Der WarehouseDesigner verwandelt einfache Skizzen in Sekunden in digitale, optimierte Lagerlayouts und beschleunigt die Planung moderner Lagersysteme.<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":27155,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"blog-category":[1416,546],"blog-tag":[1447,1457,1552],"class_list":["post-26983","blog","type-blog","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","blog-category-alle-blogbeitraege","blog-category-anwendung","blog-tag-automation-de","blog-tag-computer-vision-de","blog-tag-logistik"],"acf":[],"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/26983","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/26983\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"blog-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog-category?post=26983"},{"taxonomy":"blog-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lamarr-institute.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog-tag?post=26983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}